1941 – 1950

Als 19-Jähriger wurde Karl Mostböck im Oktober 1940 zum Reichsarbeitsdienst in das Lager Kammer-Schörfling eingezogen; am 2. Mai 1941 folgte die Einberufung zur Grundausbildung nach Wien. Seine Musikalität, Mostböck spielte mittlerweile hervorragend Klarinette und Saxophon, war ihm in seinem Militärdienst von Nutzen. In der Wehrmacht erzählte Mostböck, waren ausgebildete Musiker wegen ihres Taktgefühls gesucht, um sie als Funker einzusetzen.

Im strengen Winter 1941 kam Mostböck als Infanterie-Funker an die Front nach Russland. Erkrankt an Ruhr und Fleckfieber wurde er in das Hauptlazarett nach Brjansk eingeliefert. Hier beginnt er wieder zu zeichnen. Auf einer Feldpostkarte entsteht die Federzeichnung Grein, Böhmergasse, die er an seinen Freund Herbert Frank nach Grein schickt. Auf der Rückseite bemerkt er: „Liege hier im Feldlazarett zu Brjansk und bin gerade beim Zeichnen aus dem Gedächtnis.“

Nach Monaten erfolgt nach einem Zwischenaufenthalt in Wien seine Überstellung nach Frankfurt am Main. Hier trifft er auf zwei spätere Freunde: auf den Komponisten und Musiker Hubert Deuringer, einen der erfolgreichsten Akkordeonspieler Deutschlands und den Kritiker Georg Hensel, der später als Autor eines großen Schauspielführers, „Spielplan – von der Antike bis zur Gegenwart“ bekannt werden sollte. Diese Kontakte helfen Mostböck über die schweren Kriegsjahre.

Anfang 1944 bekam er den Marschbefehl nach Polen. Dort holte ihn Hubert Deuringer in eine Militärmusikkapelle. Der Universalist Mostböck, der Klarinette, Saxophon, Akkordeon und Mundharmonika beherrscht, ist nun in der Betreuung der angeschlagenen Wehrmachtseinheiten unterwegs. Ende 1944 begann der Rückzug über Wien nach Bayern, wo er die letzten Kriegswirren überstand, wurde im Mai 1945 von den Amerikanern festgenommen und kurz in Bad Aibling interniert.

Mostböck blieb vorerst in der Nähe von Rosenheim in Bayern, denn sein Heimatort Grein lag in der russischen Besatzungszone. Er lernte Constantin Gerhardinger (1888-1970) kennen, Professor an der Münchner Kunstakademie, selbst Landschafts-, Stillleben- und Porträtmaler des Leibl- Kreises. Und er wusste, dass sein großes Vorbild, der Gebirgsmaler Harrison Compton, in der Nähe wohnte, den er mehrmals in der Woche besuchte. Eine kurze, aber für ihn sehr fruchtbringende Zeit, da er menschlich und künstlerisch viel von Gerhardinger und Compton aufnehmen konnte. Ende Oktober 1945 glückte dann die Heimkehr an die Donau.

Nun beginnt für Karl Mostböck die Zeit der Neuorientierung. Anfang 1946 entstehen erste Arbeiten von Grein und Umgebung. In seinem ersten Personalausweis gibt der Kriegsheimkehrer bereits „Kunstmaler“ als Beruf an. Wenige Tage später, am 9. Mai, tritt er der Berufsvereinigung oberösterreichischer Künstler bei. Die erste größere Ausstellung findet im Linzer Brückenkopfgebäude statt, wo sich damals die künstlerische Szene Oberösterreichs neu formierte. „Malerei, Graphik, Plastik, Architektur und Kunstgewerbe vom 13. Juli bis 18. August 1946.

Karl Mostböck bleibt aber nach wie vor vielseitig kreativ, schnitzt Weihnachtskrippen und gründet das Tanzquartett Mara. Bei einem der vielen Auftritte lernt er seine spätere Frau, Herta Sonnleitner kennen. Kurz vor der Hochzeit lädt ihn die Stadt Grein im April 1947 zu einer Einzelausstellung ein. Am 27. Mai 1947 heirateten Karl Mostböck und Herta Sonnleitner in der Pfarrkirche St. Nikola im Strudengau. Zu diesem Zeitpunkt war er schon Vater: Tochter Gerlinde wurde am 31. Januar 1947 geboren.

Der Mühlviertler Bote vom 4. Juni 1947 macht bei dieserScan_20151214 (7) Gelegenheit kritisch auf die schwierige Wohn- und Arbeitssituation des jungen Künstlers aufmerksam: „Traurig sind die Verhältnisse, unter denen der von keiner Seite geförderte Künstler schafft. Das lichtarme Fenster der elterlichen Hofküche ist sein Arbeitsplatz. Der Raum bekommt im Juli erst Sonne. Eine schrille, den ganzen Tag laufende Kreissäge raubt jede Konzentration. Die Stadt Grein aber hat bisher noch jedes Ansuchen der Familie Mostböck abgelehnt. Wer wissen will, wie die Förderung österreichischer Künstler aussieht, der besuche das „Atelier“ dieses Malers. Hoffentlich besucht der große Compton nie seinen Greiner Schüler. Er würde sich über die Väter dieser Stadt sehr wundern.“

Die wirtschaftliche Lage war schwierig, als Künstler mit Familie eine Existenz aufzubauen schwer vorstellbar. Mostböck bewirbt sich 1949 bei den Steyr-Werken und wird sofort in der Traktorenabteilung aufgenommen. Gleichzeitig erfolgt die Übersiedlung nach Steyr, wo eine Wohnung in der Fischergasse, nahe der Enns, bezogen werden kann. Nach kurzer Zeit kennt man sein Zeichentalent und veranlasst sofort, dass er in das „Technische Schrifttum“ als Graphiker überstellt wurde. Durch einige Ankäufe – z.B. der niederösterreichischen und oberösterreichischen Landesregierungen – konnte er einen ersten überregionalen Erfolg verbuchen.