2001 – 2010

Karl Mostböck feiert am 21. April 2001 seinen 80igsten Geburtstag.

Nach einem Zusammentreffen mit Prof. Dr. Siegfried Wichmann bei einem Symposium über E.T.Compton besucht Karl Mostböck den deutschen Historiker am 14.Juli 2001 in Starnberg am Starnberger See. Prof. Dr. Wichmann ist begeistert von den Werken des Künstlers und schreibt im Ausstellungskatalog der Retrospektive im Steyrer Schlossmuseum „ Ausgewählte Werke der Jahre 1950 – 2003“ folgendes:

Karl Mostböck – der Maler von Gegenwart und Zukunft

Im Werk von K. Mostböck sind die alltäglichen Dinge auf ihren realen Formwert hin überprüft, ohne die ihnen innewohnenden Bedeutungswerte zu stören, denn chiffrierende Formen, die den Naturalismus als Ausgangssituation benutzen, unterlagen stets stilisierenden Bewegungsinhalten. Wir erkennen in der Retrospektive von Karl Mostböck die Leitlinien, – die Gliederungen, die stets mit strengen Grenzbereichen wechseln. Die abstrakten Felder, Linien, Schwünge und unbetretbaren Räume sin schon zu Beginn stilisiert und gleichwohl in vollkommener Weise dem Gesamtwerk angepasst. Mostböck ist der Meister der netzartigen Verspannung der Einzelflächen und der pluralisierten Muster. Es geht dem Maler in seinem Gesamtwerk nicht mehr um Themenvergleiche, sondern um ein echtes Verständnis schöpferischer Kunst, es muss gerade das in einer Schau der Retrospektive gesagt werden. Mostböck wählt schon frühzeitig Musterungen, ja selbst gestalthafte Wesen können erscheinen und durch die Abstraktion können es auch alternierende Zeichen werden. Doch wichtig ist dem Maler die Kalligraphie, die Schreibkunst Ostasiens – die Mostböck dann mit dem am Bild aufgesetzten Stempel verbindet im Sinne der japanischen Färberschablone als Signatur, das war ihm Zeichen und Ziel.

Die bewegten silhouettierenden Themen greift der Maler wiederholt auf, der neue Flächenstil, den er entwickelt, ist der europäischen Kunst zunächst verbindlich. Doch der Maler stört durch die „brechenden“ Formen den Rhythmus der ostasiatischen Kalligraphie. Mostböck kann, und das zeigt diese Retrospektive, die europäische Raumdarstellung frei entwickeln, indirekt jedoch bestimmend bleibt, dass der Maler dem negativen Grund eine größere Anschaulichkeit gibt. Die Japaner wählten in altbewährter Methode die Flächenparallelität, die netzartig alle Objekte bindet. Auffallend ist immer das schwungvolle, phantasiereiche Rapportsystem, wobei der Künstler urplötzlich in die europäische Verräumlichung ausweicht. Diese Bemerkungen gelten immer im Zusammenhang mit westlichen Rezeptionen und können daher nicht für den ethnologischen Fachbereich stehen.

Immer, und das zeigt die Retrospektive von Mostböck eindeutig, unterliegt das Gesamtwerk einer groß angelegten Kompositionsform, die die Einheit des Objekts absichtlich negiert um eine Spannung und eine extreme Verlagerung innerhalb des statischen Bereiches zu erzielen. So ist es möglich, dass die Gestalt, wenn sie auftaucht, scheinbar reglos, jedoch mit höchster Konzentration sich weder der westlichen noch der östlichen Einflusssphäre nähert.

Das ganze Formensystem von Mostböck, sowohl asymmetrisch oder auf die Mitte hin ausgerichtet, ist genial, niemals wiederholbar. Auch die unregelmäßige Abfolge als künstlerisches Motiv wird erfasst. Mostböck ist so vielseitig in seiner Retrospektive, dass er einen Querschnitt durch das kulturelle Milieu gibt. Oftmals haben die Bildreihen des Malers etwas von den wandelnden Schatten, die formelhaft von der Gleichheit zu Vielheit verändert werden können. Immer werden die Sinneseindrücke in der Flächenfarbe und in der Linie aktiviert – vom Intensivstrich auf kleinster Fläche hin bis zur Arabeske. Die retrospektive zeigt, dass stets im Wandel zum neuen Lebensstil in der neuen bewegten Welt die subjektive Expression das Tuschespiel bestimmt. Mostböck geht stets im Malprozess auf, denn seine Abbilder zeigen den Extrakt des Gesehenen nochmals in der Vereinfachung.

Das kleine Bild steht im Mittelpunkt, denn mit wenig kann viel ausgesagt werden. Der verlaufende Duktus, die quellende Linie, vergehende Rinnsale, das ist die optimale Adaption, wir sehen den Ablauf der Werkaufteilung. Die Reihenfolge von verwandten Formen durch Pinseldrücker schafft Assoziationsketten auf kleinstem Raum. Das Ziel ist, durch die Fraktur der Pinselhandschrift, ein abkürzendes Verfahren zu schaffen, um die Dinge im Bildraum und der vorher wahrgenommenen Umwelt zu versinnbildlichen. Mostböck ist in der Lage, eine Steigerung seiner Malkunst im Kleinformat zu verfeinern. Das Pinselspiel ist gleichsam ein seismographischer Ablauf von bleibenden Eindrücken, die über die Zeiten sich stärken. Seine Retrospektive entspricht seinem gelungenen künstlerischen Ziel über die Zeiten hinaus. Die Schwarzweißtechnik mit beachtlichen Differenzierungen der Tonwerte steht im Interessenbereich derjenigen europäischen Künstler, die den spontanen Malvorgang bevorzugen. In der Technik selbst ist die dreidimensionale Wiedergabe des Gestalthaften gelöst, indem rundende Schraffuren im Sinne der europäischen Kunst nicht mehr auftreten. In der abkürzenden Weise bedeutet die Flächenschrift mehr als Fläche und weniger als Tiefenraum. Es stellt sich ein immer stärkerer Signalcharakter von kodifizierten Formen ein, die durch bühnen-und raummäßige Stufungen in geringster Art Auskunft geben über die Strukturen der ausgestellten Dinge. Die Kombination zwischen Linie und Fläche erreicht einen derartigen grad der Durchdringung und Angleichung, dass auch hier sich Fläche und Raum in den geringsten Schattierungen und Staffelungen begegnen. Die Graphologie der Handschrift gibt Auskunft über die jeweilige Bedeutung und das Können des Meisters.

Im Mai 2001 findet in der Oberösterreichischen Landesgalerie die Präsentation des Buches „Der Maler der kodifizierten Form“ statt. Es gibt wohl kaum berufenere, die über sein Lebenswerk schreiben könnten, als Prof. Dr. Siegfried Wichmann (ehem. Dir. der neuen Pinakothek in München) und Prof. Dr. Walter Koschatzky (ehem. Dir. der Albertina in Wien).

Vom Juni bis Juli 2001 wird vom Direktors des Völkerkundemuseums Berlin, Dr. Kohlmann, in seiner Galerie „Im Pallas Verlag“ das Buch „Am See“ präsentiert und in einer Ausstellung die im Buch enthaltenen 42 Tuschezeichnungen gezeigt. Das Gedankengut des Zen bildet die Grundvoraussetzung für die Werke von Karl Mostböck und ist von prägender Bedeutung für sein Schaffen. Deshalb sind seine Malerwerke gleichzusetzen mit den Begriffskombinationen des Zen: RUHE – FREIHEIT –und OFFENE KONZENTRATION“.

Prof. Werner Schmalenbach schreibt am 22.10.2001, nachdem er Bücher von Karl Mostböck entdeckt und sich damit auseinandergesetzt hat, einen Brief an den Künstler: „Aber sagen will ich doch, welcher Band mir am besten gefallen hat, -es ist der Bilderzyklus mit den 42 Tuschezeichnungen „Am See“. Die Tuschezeichnungen zeigen Landschaften in bester künstlerischer Umsetzung. Freiräume atmen Luft, geballte und konzentrierte Landmassen werden in wenigen Pinselstrichen zu Imaginationen aus Wasser und Farbe.

Verleihung des Ehrenringes der Stadt Steyr am 5. Oktober 2001 für Verdienste als erfolgreicher Maler und Grafiker.

Ende 2002 Ausstellung im „Danubiana Meulensteen Art Museum in Bratislava, wo das Buch „Austrian Art – Expressive Tendenzen in Österreich seit 1960“ präsentiert wird, in dem Martin Hochleitner folgendes über K. Mostböck schreibt:

  • Mostböck’s Interesse am Menschen galt nicht der Anatomie des Körpers, sondern dem Träger und Bezugspunkt von Sinnlichkeit, Gefühlen, Sexualität und Erotik. In vielen Arbeiten sucht der Künstler die Begegnung zum Menschen. Mostböck überrascht hierin mit der Direktheit in den künstlerischen Benennungen von Stellungen, Posen und Haltungen, die er in der Intimität des Augenblickes jedoch wiederum subtil auffängt. Der Künstler schildert damit sehr nuanciert die Ganzheitlichkeit menschlichen Seins, zu der auch zutiefst empfundene Lust gehört. Angesichts eines bisherigen Werks aus sieben Jahrzehnten wurde Karl Mostböck in der oberösterreichischen Kunst nicht nur zu einem wichtigen Vertreter der informellen Kunst der fünfziger und sechziger Jahre. Gerade über seine Auseinandersetzung mit den Traditionen des Informel mit der Wiederkehr einer unbekümmerten fabulierenden Malerei der „Figuration libre“ zu verbinden. Ohne neoexpressionistische Züge nachzuvollziehen, wurden diese über Jahrzehnte betriebene Körpererfahrung und ihre Umsetzung zu wesentlichen Faktoren einer von Subjektivismus bestimmten Kunst.

In den Räumen der Schlossgalerie Steyr veranstaltet 2003 die Kulturabteilung der Stadt, gemeinsam mit der Galerie Steyrdorf die große „Karl Mostböck – Retrospektive“.

2005 Eröffnung der Ausstellung „Karl Mostböck – Impressionen der Stille“ im Wiener Museumsquartier.

Das Fest der Diamantenen Hochzeit feiern das Ehepaar Karl und Herta Mostböck am 27. Mai 2007. Sie sind 60 Jahre glücklich verheiratet.

Treffpunkt Kunst: Ausstellung und Begegnung mit Karl Mostböck am 28. Februar 2008 im ORF – Landesstudio Oberösterreich.

Am 15. Oktober 2008 erhält Karl Mostböck im Rahmen einer Festsitzung die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Steyr.

Anfang 2009 erkrankt Karl Mostböck und ist nicht mehr in der Lage, die Malerei weiter auszuführen.

Die Eröffnung der Ausstellung „Arbeiten aus sieben Jahrzehnten“ im September 2010 durch Dr. Carl Aigner sowie die Buchpräsentation „Karl Mostböck“ (Brandstätter Verlag) finden in der ehemaligen Wirkungsstätte des Künstlers im MAN-Werk in Steyr statt. Es sollte der letzte Auftritt des bedeutenden Vertreters der informellen Malerei in der Öffentlichkeit sein. MAN–Vorstand Gerhard Klein eröffnet als Höhepunkt des Abends den „Karl Mostböck – Saal“.