1981 – 1990

Im März 1981 findet in der Galerie Kutter in Luxemburg die sehr erfolgreiche und von den Galeriebesuchern hochgeschätzte Ausstellung „Karl Mostböck, Signes et Symboles“ statt. Im Juni desselben Jahres die Ausstellung „Hommage à Max Ernst“ und im Dezember die Ausstellung „Hommage à Pablo Picasso“.

November 1981,  ORF-Bericht über den Zen-Maler Karl Mostböck:

Bevor sich der 60 jährige Oberösterreicher Karl Mostböck mit Zen-Malerei befasste, machte er durch seine Landschaftsaquarelle auf sich aufmerksam. Mostböck war ursprünglich technischer Graphiker, seine Maltechnik erwarb er sich als Autodidakt. Die Zen-Malerei ergab sich aus seiner Vorgangsweise. Er malt die Blumen nicht ab, sie entsteht während des Malens auf natürlich zufällige Weise so wie in der Natur eine Blume entsteht. Mostböck malt auf dem Boden, mit farbnassem Pinsel, den er frei hält, senkrecht zum Bild.Diese Malerei des kontrollierten Zufalls ist gut in seinen Aktbildern zu erkennen, die ebenfalls nicht nach Modellen entstehen. Der Zen-Maler ist ein aufmerksamer Beobachter, aber kein Kopist. Er ist nicht souverän, auch das gerade zur Verfügung stehende Papier, die Intensität der Tusche und der Pinsel sind am Bild mitbeteiligt. Der Zen-Maler fühlt sich in dieser Welt zuhause. Da er kein Ziel vor Augen hat, sondern in der zeitlosen Gegenwart lebt, ist er nicht in Eile. Gegensätze wie Geist und Natur, Subjekt – Objekt, Gut – Böse, Künstler und Material existieren für ihn nicht. Er fasst die Gegensätze als Relationen auf. Er greift nicht ein in den Lauf der Dinge. In den Zen-Bildern gibt es viel freien Raum. Die Maler spielen, wie es im Osten heißt, die saitenlose Laute. Sie malen durch Nichtmalen. Das Geheimnis liegt darin, dass der Maler die Kunst versteht, die Form mit dem leeren Raum auszubalancieren. Das wunderbare Leere spielt im Zen eine große Rolle. Und schließlich lassen die Bilder jede Symmetrien vermissen. Im Gegensatz zur westlichen Wissenschaft, die mit Hilfe von Symmetrien und Regelmäßigkeiten zum Verständnis und zur Beherrschung der Natur gelangt ist, hat man sich im Osten den Blick auf das Spontane, das nicht verstandesmäßig Fassbare an der Natur bewahrt und die Zen-Malerei drückt diese Einstellung zur Natur aus.

Im Februar 1983 eröffnet in Vaduz der Direktor der Albertina Walter Koschatzky im Beisein des Fürsten von Liechtenstein die Ausstellung „Die Kunst des Aquarells“. Im Anschluss an diese Ausstellung wird Karl Mostböck mit einer eigenen Aquarell-Ausstellung in Liechtenstein gewürdigt.

1984 erscheint in einer Auflage von 400 Stück der Kunstband Steyr – Impressionen mit 40 aquarellierten Federzeichnungen von K. Mostböck. Text: Marlene Krisper

November 1984:  Verleihung des Berufstitels „Professor“ durch den Bundespräsidenten

In den achtziger Jahren begann Karl Mostböck sich mit der „Art Brut“, insbesondere mit den Werken von Pierre Alechinsky aus der 1948 gegründeten Gruppe COBRA zu beschäftigen. „Die Beschäftigung mit der „Art Brut“ führte zu einer weiteren Befreiung meiner Zen-Arbeiten, in die ich ab 1985 auch verstärkt auch Informelles einfließen ließ.“ Die „Art Brut“, zu deren Protagonisten Künstler wie Jean Dubuffet und Cy Twombly gehörten, ist bestimmt durch den graffitihaften Gestus ihrer Malerei, sowie durch die trivial grotesken Kritzeleien. Es handelt sich um einfache, spontane rudimentäre Figurationen, in denen die Linie dominiert. Bei Karl Mostböck sind es die stillen aus der Kontemplation entwickelten Chiffren, kryptische Zeichen, mit breitem Tuschepinsel angesetzt, mit feinem Bleistift auf die Bildfläche gekritzelt oder mit lasierenden Wasserfarben in der Aquarelltechnik aufgetragen.

Ende der achtziger Jahre setzt Karl Mostböck erneut eine Phase der Neuorientierung seiner künstlerischen Arbeit. Die bisher verbindlichen Parameter bleiben zwar gültig, in der Folgezeit arbeitet der Künstler jedoch daran, seine Bemühungen um den Aufbau eines offen konzentrierten Gefüges von Farbraumformen zu verdichten und zugleich die jeweilige Qualität der Offenheit zu erhalten. In diesen verdichteten Kompositionen wird nur das „Material“ Farbe stärker eingesetzt, zugleich interessiert sich der Künstler jetzt sehr für die Gestaltungskraft vorgefundener, markanter Formen, so etwa der Schriftspuren auf alten Papieren. Souverän verdichtet der Künstler seine Setzung farbiger Erfahrungsspuren, wie selbstverständlich vermeidet er die Überfrachtung der Gestaltungsbeziehungen. Ein bisher nur vereinzelt beobachtbares Interesse an der menschlichen Figur tritt nun vermehrt in den Vordergrund. Der Künstler öffnet seine Kunst nun auch mehr für äußere Bildeinflüsse, die stets in der eigenen Sprache des eigenen Kunstwollens verarbeitet werden. Seine Hinwendung zur bildhaft geöffneten Zusammenfassung inkludiert jetzt sogar rein graphische Gestaltungsformen; behutsam definieren auch Linien ihre eigene Bildgeltung. Wiederum erweitert der Künstler zudem seinen Einsatz von Farbträgern. Bewusst entstehen Mischtechniken; sie stehen für eine Erweiterung der offenen Konzentration, die Karl Mostböck als zentrales künstlerisches Anliegen über Jahrzehnte hindurch verfolgte.

Angesichts eines bisherigen Werks aus sieben Jahrzehnten wurde Karl Mostböck in der oberösterreichischen Kunst jedoch nicht nur zu einem wichtigen Vertreter der informellen Kunst der fünfziger und sechziger Jahre. Gerade über seine Auseinandersetzung mit dem Menschen gelang es ihm auch in den achtziger Jahren, Traditionen des Informel mit der Wiederkehr einer unbekümmerten fabulierenden Malerei der „Figuration libre“ zu verbinden. Ohne neoexpressionistische Züge nachzuvollziehen, wurden diese über Jahrzehnte betriebene Körpererfahrung und ihre Umsetzung zu wesentlichen Faktoren einer von Subjektivismus bestimmten Kunst.