1961 – 1970

Mit der gleichen Konsequenz mit der der Künstler in den bisherigen Jahren seine an der Kunstgeschichte orientierte Entwicklung vorangetrieben hat, setzt er nun in den Jahren 1961/62 eine prägnante Zäsur: In dieser Zeit malt er ausschließlich einfache, breit gezogene Gitterkonstruktionen, die er als formale Basis für ein möglichst komplexes und spannungsvolles farbliches Gleichgewicht verwendet. Jedes Rasterelement wird in immer differenzierter abgestuften Farbtönen gestaltet; die gesamte Komposition erinnert sehr an Glasfenster-entwürfe.

Herbert Lange, Kunstkritiker der Oberösterreichischen Nachrichten, fiel schon längere Zeit der überzeugende und sich ständig weiter entwickelnde Künstler auf und schrieb am 24. Juli 1961 von der Ausstellung im Landesmuseum Linz: Lobenswert sorgfältig malte Karl Mostböck seine Ölbilder, mit denen er den Eindruck von blau und rot leuchtenden Glasfenstern erzielt. Vor allem in den sakralen Bildern wird ein ganz bestimmter Gegenstand eindeutig durch an sich völlig abstrakte Gestaltswerte ausgedrückt. Mostböck bestätigt wieder einmal, dass er auf einer guten Bahn vorwärtsstrebt.

Herbert Lange wird ab 1962 zu einem engagierten Förderer Mostböck’s. Er vermittelt Aufträge und Ausstellungen. Mostböck’s Konzentration auf religiöse Themen in dieser Zeit führt zur Begegnung und Künstlerfreundschaft mit Rudolf Kolbitsch, der u.a. die Stadtpfarrkirche in Linz-Urfahr und die Pfarrkirche von Wernstein am Inn gestaltet. Mit der Einladung zur III. Biennale Christlicher Kunst der Gegenwart nimmt Karl Mostböck im September 1962 mit vier Werken christlicher Themen in der Residenz in Salzburg teil.

Herbert Lange ermutigt Mostböck und empfiehlt dem Künstler im Februar 1963: „Wenn sie noch im Wesentlichen bei Ihrem Grundkonzept und absolut beim gleichen Format bleiben. – Eines Tages werden Sie mit beidem brechen, und das muss sensationell wirken in der Harmonie dieses ästhetischen Gleichgewichts. (…) Sie verstehen, was ich meine: Nicht jede Revolution, die uns erschüttert, spürt unser Nachbar in der Stube nebenan. Aber ich will Sie nicht ängstigen. Ich bin kein Prophet und Sie sind geborgen im Frieden Ihrer Schwingungen, Ihrer gesicherten Wellenlänge. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es ist gut!“

Mitte der sechziger Jahre erwarb Karl Mostböck rein zufällig in einer Buchhandlung ein Werk über die fernöstliche Kultur. Das war der Beginn seiner Zen-Phase. Auch die Kunst von Julius Bissier übte damals großen Einfluss auf ihn aus, die ihn zur Beschäftigung mit ostasiatischer Kalligraphie und zur Hinwendung zu den meditativen Lehren des Zen-Buddhismus führte. Vor dem Hintergrund dieser sehr persönlichen religiösen Kontemplationsphilosophie entwickelte der Künstler seine zeichenhafte Formensprache mit ihren monochromen schwarzen und farbigen Kürzeln. Neben den Zen-Bildern brachen immer wieder Landschaften und Stillleben in die Abstraktionen ein, wobei nur sehr selten Zen-Landschaften entstanden. Obwohl diese Aquarelle zum schönsten zählen, was in dieser Technik geschaffen wurde, konzentrierte sich Mostböck weiter auf Zen-Abstraktionen, die seinem Wesen besonders entsprachen. Zen ist für Mostböck Formel seines Protestes gegen die pervertierte Technik, geistlose Verbauung, Umweltverseuchung, Borniertheit und Verlogenheit, gegen falsche Ansprüche. Zen ist für ihn seine persönliche Suche nach der sich mit der Natur aussöhnenden heilen Kultur.

1966 beginnt für Karl Mostböck die Zeit der großen Ausstellungstätigkeiten. In Wien präsentiert die für ostasiatische Kunst spezialisierte Galerie Tao im Mai 1967 eine erste große Einzelausstellung.

Reisen führten Karl Mostböck in den sechziger Jahren außer nach Frankreich, hauptsächlich nach Italien, wo er in Antiquariaten von Florenz bis Bologna und von Mailand bis Venedig gern gesehener Bücherkunde war. Neben einem vollen Koffer bei der Hinreise machten immer auch zwei leere Koffer die Reise nach Italien mit, die anschließend prall gefüllt mit Büchern gemeinsam mit dem Ehepaar die Rückreise wieder antraten. Karl Mostböck ist im Besitz einer riesigen, wertvollen Privatbibliothek.

In der Zeit um 1967 lässt sich im Werk Karl Mostböck’s ein spezielles Bemühen um Einfachheit in der formalen Gestaltung beobachten. An die Stelle einer komplexen Schichtung des Bildraumes treten nun in prägnantem Schwung einzeln nebeneinander gesetzte Formen. Die Schriftähnlichkeit wird immer mehr aufgegeben zugunsten einer Formgestaltung, die sich in individualisierter Farbgebung geometrischen Figuren annähert.

Gemeinsam mit japanischen und chinesischen Künstlern im September 1968 erste internationale Ausstellung in Dubrovnik. Die Ausstellung wurde von TV Zagreb ausgestrahlt.

1970 erfolgen erste Ankäufe von Werken Karl Mostböck‘s durch Direktor Walter Koschatsky für die Albertina.